Die Macht der Zirkuskunst bewiesen
Nik Waldram in De Piste Mai 2025
Montag, 5. Mai. Ein Tag nach dem Circusstad Festival. Am Ende des Vormittags gehe ich ins Café Floor, das Café des Theaters Rotterdam. Hier werde ich meinen Festivalbericht tippen. Der angrenzende Saal des Theaters sieht jetzt leer aus. Draußen auf dem Schouwburgplein sind die Arbeiten zum Abbau des Festivalgeländes im Gange. Nach einer sonnigen Woche ist das Wetter nun grau und kühl. Drinnen schallt Stole the show von Kygo durch die Lautsprecher. Auch das muss ein Zufall sein.
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1. Jongleure und viele Bälle
Dieses Jahr gibt es viele Jongliervorführungen, vor allem mit vielen weißen Bällen. Roxana Küwen Arsalan manipuliert Teetassen und Bälle mit ihrem Körper und ihren Füßen. Währenddessen erzählt sie eine persönliche Geschichte über ihre deutschen und iranischen Großmütter. In Irroottaa rollen viele Keramikkugeln auf die Bühne, mit denen zwei Darsteller wie besessen jonglieren und Akrobatik betreiben. Harvey Cobb jongliert die bekannten rosa Stiefel in Late Night at the Opticum.
Und Stijn Grupping erntet offene Münder mit seinen hüpfenden Bällen. Er und Ine van Baelen bilden den künstlerischen Kern der flämischen Kompanie Post uit Hessdalen. In Man Strikes Back kreiert Grupping bizarr komplexe Jongliermuster. Über sechs schräge Boxen hüpfen die Bälle fünf oder sechs Mal, bevor sie zu ihm zurückkehren. Der Schlagzeuger Frederik Meulyzer spiegelt die hüpfenden Rhythmen wieder. Als die Würfel beginnen, ein Eigenleben zu entwickeln, wird das Jonglieren komplizierter und es entsteht eine anti-utopische Spannung zwischen Menschen und Robotern.
2. Illusionen und KA-IN Magie
In Ballroom, einer weiteren Post uit Hessdalen-Produktion, fliegen noch mehr faszinierende Bälle herum. Für diese Solo-Performance klettern wir in einen umgebauten Lastwagen. Drinnen erwartet uns ein kühler Raum mit grauem Boden und Betonwänden. In dieser abstrakten Umgebung bekämpft Stijn Grupping die Langeweile, indem er kleine Bälle über immer komplexere Umwege zu einer grauen Tonne hüpfen lässt. Dreidimensional fliegen die hüpfenden Bälle durch den Raum. Noch nie haben Sie so eine erstaunliche Balljonglage gesehen. Bis ein Ball plötzlich aufhört zu hüpfen. Wir landen in einem magisch-realistischen Universum, in dem die Bälle erscheinen, verschwinden und schweben. Das ausgefallene Konzept und die erzählerische Magie machten Ballroom zu einem Favoriten vieler erfahrener Festivalbesucher.
Während des gesamten Festivals sahen wir weitere Illusionen: die Roboterwürfel in Man Strikes Back, sich selbst bewegende Keramikkugeln in Irroottaa und eine akrobatisch schwebende Künstlerin in dem Straßenstück La Lévitation Réelle von Regisseur Camille Boitel. Aber keine Magie wirkte so umwerfend wie die Lichtshow in KA-IN von Regisseurin Raphaëlle Boitel (in der Tat die Schwester von Camille) und ihrem regelmäßigen Lichtdesigner-Kollegen Tristan Baudoin. In dieser Show mit der renommierten Groupe Acrobatique de Tanger nutzen die Designer das geräumige Bühnenhaus optimal aus, um ein surreales Universum zu schaffen. Mit großen Lichtkegeln und tiefen Schatten schaffen sie optische Täuschungen und eindeutige Bilder. In diesem Kontext erzählen dreizehn Künstler ihre eigenen Geschichten. Der Tanz (Hip-Hop, Modern und Theatralik) und die Akrobatik (auf dem Boden und auf den Schultern der anderen, auf dem Solotrapez und im Handstand) vermitteln dem Publikum diese Geschichten überzeugend. Die zahlreichen Radschläge und Saltos sind herrlich anmutig und gleichzeitig bissig. Einige Szenen sind so surreal beleuchtet, dass Sie kaum glauben können, dass das, was Sie sehen, echtes Theater ist. Die treibende Musik und das phänomenale Sounddesign lassen Sie noch tiefer in die Illusion eintauchen. Ein gigantisches Gefühl der Euphorie ergreift dann kurzzeitig das Publikum. Mit KA-IN hatte Circusstad wieder einmal eine prestigeträchtige Produktion für den großen Saal des Theaters Rotterdam.
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